„Thema Kinderbetreuung für Unternehmen immer wichtiger“

Ursula Günster: Positive Resonanz auf "Integrierten Betriebskindergarten" von BP - Ideen-Wettbewerb

(Artikel erschienen in der Meppener und Lingener Tagespost sowie der Ems-Zeitung am 12. März 2008, das Gespräch führte Thomas Pertz)

Das Interesse von Unternehmen im Emsland, qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über mehr betriebliche Angebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf stärker an sich zu binden, ist groß. Dies hat Unternehmenscoach Ursula Günster von der Emsländischen Stiftung Beruf und Familie in einem Interview mit unserer Zeitung unterstrichen. Das Interview im Wortlaut:

 Frau Günster, die Emsländische Stiftung Beruf und Familie und die BP-Raffinerie in Lingen haben gemeinsam das Projekt „Integrierter Betriebskindergarten“ auf den Weg gebracht. Wie ist der aktuelle Planungsstand?

Die eingesetzte Arbeitsgruppe will nun neben der Zeitschiene auch schon konkrete Umsetzungsmöglichkeiten erarbeiten. Beispielsweise soll die Betreuung der unter Dreijährigen bis zum Sommer umgesetzt werden. Außerdem sollen neben der Erweiterung der Öffnungszeiten auch haushaltsnahe Dienstleistungen wie z.B. ein Bügelservice mit angeboten werden. Das umfangreiche Konzept des integrierten Betriebskindergartens wird Schritt für Schritt entwickelt, um es dann zeitnah umzusetzen. Zuallererst wird jetzt  jedoch erst eine Absichtserklärung alle Partner (BP, Stadt Lingen und LWH als Träger der Kindertagesstätte) erfolgen.

 Wie haben andere Unternehmen im Emsland auf diese Ideen reagiert?

Sehr positiv. Es haben sich weitere Firmen und auch ein, zwei Kindertagesstätten bei uns gemeldet. Das Interesse der Unternehmen und Betreuungseinrichtungen im Emsland, mehr zu tun für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, ist groß.

Woher rührt dieses Interesse?

Die Betriebe spüren ganz genau: Wenn sie etwas gegen den drohenden oder gar schon vorhandenen Fachkräftemangel in ihrem Unternehmen tun wollen, müssen sie hier aktiv werden. Mitarbeiter, die ihre Kinder gut betreut wissen, können mit freiem Kopf arbeiten. ‚Hoffentlich denkt mein Mann daran, das Kind rechtzeitig abzuholen’: Solche Gedanken gehören dann der Vergangenheit an. Jedem Unternehmen im Emsland muss es wichtig sein, attraktive Rahmenbedingungen für berufstätige Familienangehörige zu bieten. Frauen und Männer wollen gleichberechtigt ihrem Beruf nach gehen und gleichsam auch für die Familie da sein. 

Das Thema wird ja häufig immer noch vor dem Hintergrund eines stark ausgeprägten Rollenverständnisses geführt, wonach der Mann zur Arbeit geht und die Frau eher zu Hause bleibt, als berufstätig ist. Welche Erfahrungen haben Sie in Ihren Gesprächen in den Betrieben gemacht?

Meine Erfahrung ist, dass dieses Thema immer mehr auch Männer angeht. Ich habe mit Arbeitnehmern gesprochen, die ihre kranke Frau oder Mutter als Pflegefall zu Hause haben, die verwitwet oder geschieden sind und nun die Betreuung ihrer Kinder organisieren müssen. Ohnehin muss auch das Thema Pflege von Angehörigen in den Betrieben angesichts der immer älter werdenden Bevölkerung intensiver diskutiert werden.

BP beteiligt sich finanziell an der Errichtung des Betriebskindergartens. Können solche Mehrkosten andere Unternehmen nicht abschrecken?

Das glaube ich nicht. Betriebe, die gute Leute in ihren Reihen haben, denen sie es ermöglichen, zu bleiben und die trotzdem ihre Kinder gut betreut wissen, verhindern, dass Beschäftigte aus familiären Gründen das Unternehmen verlassen und dabei ja auch Wissen mitnehmen. Kommt der Betreffende dann nach Jahren eventuell wieder, ist erneut eine teure Einarbeitungszeit fällig. Dies alles entfällt, wenn der Rahmen stimmt. Zum anderen ist es viel betriebswirtschaftlicher vorhandene Ressourcen zu nutzen, als einen eignen Betriebskindergarten zu bauen. Ausgelagerte betriebliche Kinderbetreuung zahlt sich aber auch noch aus einem weiteren Grund aus. Das Bundesfamilienministerium fördert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds maximal 6000 Euro pro Platz und Jahr für neue Plätze die für unter Dreijährige geschaffen werden. Beteiligen können sich Unternehmen mit bis zu 1000 Beschäftigten. Unsere mittelständisch geprägte Wirtschaft im Emsland könnte davon also auch profitieren.

Sie haben neben ihrer Ausbildung im Personal- und Unternehmensmanagement auch viele Jahre als Leiterin einer Kindertagesstätte in Dalum gearbeitet. Das kommt Ihnen doch bei Ihrer jetzigen Aufgabe sicher entgegen, oder?

Auf jeden Fall. Durch die pädagogische Brille betrachtet kann ich gut sehen, was seitens der Kindertagesstätten möglich ist bzw. noch weiter entwickelt wird, obwohl zurzeit schon in vielen Kindertagesstätten Veränderungen auf den Weg gebracht sind. In unseren emsländischen Einrichtungen, insbesondere den Familienzentren,  ist ein großes innovatives Potential, das wir fördern wollen.

Wodurch zum Beispiel?

Die Stiftung überlegt, 2008 einen Ideen-Wettbewerb zum Motto: Gute Ideen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf, für Kindertagesstätten im Emsland auszuloben.  Die drei pfiffigsten Vorschläge werden mit einem Geldpreis honoriert.

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